noch ein versuch


Kindheitserinnerungen
21. April 2010, 08:27
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Beim Zwitschern mit @silberundpfeil hab ich mich an etwas aus meiner Kindheit erinnert. Ich frag mich jetzt, ob ihr auch solche Phasen hattet:

Irgendwann zwischen meinem siebten und zehnten Lebensjahr packte ich während bestimmt eineinhalb Jahren jeden Abend eine Tasche mit meinen liebsten Gegenständen (Fotos, Bücher, Kassetten, Kuscheltiere u.ä.) und legte sie an der Tür zu meinem Kinderzimmer bereit.

Wofür fragt ihr euch? Damit ich, falls unser Haus in der Nacht brennen sollte, alles griffbereit wäre und ich diese Dinge nicht verlieren würde.

Ich weiss nicht, woher die Angst kam, bei einem Brand alles zu verlieren, zumal weder im Bekannten- noch im Verwandtenkreis jemals ein Haus abbrannte.  Irgendwann legte sich die Angst wieder und ich hörte auf, allabendlich eine Tasche zu packen. Was jedoch blieb und womit ich heute noch kämpfe, ist eine latente Verlustangst.

Ich habe heute keine Angst mehr, dass ich Gegenstände unwiderbringlich verlieren könnte, denn mittlerweile weiss ich, dass beinahe alles ersetzbar ist und dass die Erinnerungen bleiben, auch wenn der dazugehörende Gegenstand nicht mehr sein sollte. Und ich habe es – man lese und staune – sogar überlebt, als bei einem Festplattencrash Fotos von ca. 3 Jahren futsch und weg waren. Es war ein Schock und ich habe seitdem ein sehr diszipliniertes Backupverhalten, aber ich habe es überlebt.

Wovor ich wirklich echte, panikartige Angst habe:  Jemanden von meinen Liebsten zu verlieren, weil ihm oder ihr etwas zustossen könnte. Darüber darf ich mir gar nicht zuviele Gedanken machen, denn alleine jetzt beim Schreiben darüber fangen meine Nerven unkontrolliert an zu kribbeln und ich spüre auch, wie sich mein Puls erhöht…

PS bezüglich der Brandangst: Irgendwie ironisch, bin ich heute Feuerwehrfrau mit Leib und Seele. Oder vielleicht doch nicht?


2 Kommentare bis jetzt
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Du scheinst einen augeprägten Sinn dafür zu haben, beschützen zu wollen, was dir lieb ist. Seit ich im Hochwasser in der Berner Matte (http://pictura.tumblr.com/post/146659749) meine Fotoarbeiten verloren habe, sind mir diese Gegenstände nicht mehr wichtig. Einen neuen Kompi kann ich kaufen. Und meine Dias und Negative, tja, dann sind die halt jetzt weg. Was so gleichgültig klingt, ist eher die Erfahrung, dass es gar nicht schlimm ist, etwas zu verlieren, denn nur so hat man Möglichkeit, etwas Neues zu schaffen, ohne Schatten der Vergangenheit.

Als mein Bruder noch bei mir lebte habe ich mir ständig um ihn Sorgen gemacht, wenn er nachts nicht nach Hause kam. So muss es einer Mutter gehen, wenn die Kinder nicht bei ihr sind. Nun ist er ausgezogen und sich nicht mehr sorgen zu müssen ist eine unglaubliche Erleichterung. Auch hier ist es nicht die Gleichgültigkeit, die spricht, im Gegenteil. Aber ich weiss, dass es nicht in unserer, bzw. meiner Macht liegt.

Du kannst nicht für alle und alles verantwortlich sein.

Kommentar von pictura

Diese Angst hatte ich eigentlich nie. Auch nach dem Brand, an dem wir wirklich fast alles verloren hatten, habe ich nie solche Ängste verspürt das ich irgendwelche dinge verlieren könnte.
Aber seit ich Kinder habe hat sich das alles grundsätzlich geändert.
Vorher waren mir Erinnerungen nicht wichtig. Ich hatte ja erlebt, dass das Leben auch ohne diese Dinge, die sich ansammeln gut weitergeht.Es tat teilweise sogar auch gut, da man gewissen Ballast löoswerden konnte. Aber nun haben wir Fotos der Kinder auf unserem Server. Da habe ich schon das Gefühl, die müsste ich retten. Und auch wer dann im Fall, dass wir aus der Wohnung flüchten müssten, welches Kind möglichst schnell mitnimmt, das habe ich mir gedanklich schon genaustens überlegt. Regelmässig beim Einschlafen plagen mich nun diese Gedanken, die ich vorher nicht hatte.
Und wie Du schreibst. Das ist auch meine grösste Angst. Jemanden zu verlieren oder dass jemand verletzt wird.
Damals haben sie meine kleine Schwester gerade noch rechtzeitig aus dem brennenden Haus holen können. Und das war und ist mir immer noch das Wichtigste. Alles andere kann man verkraften.

Kommentar von Silberpfeil




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